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Camponotus baldaccii
BIOLOGIE
Camponotus baldaccii ist eine thermophile Camponotus der Untergattung Tanaemyrmex, die im östlichen Mittelmeerraum und in angrenzenden Regionen Westasiens verbreitet ist. Besonders gut dokumentiert ist sie aus Griechenland, einschließlich Kreta und zahlreicher Inseln der Ägäis und des Dodekanes, sowie aus der Türkei, Israel und Saudi-Arabien. Ihre Typuslokalität ist Kreta.
Die Art ist stark an offene, warme und sonnige Lebensräume gebunden. Sie kommt in Grasland mit Buschvegetation, an steinigen Hängen mit spärlichem Bewuchs, in niedrigen mediterranen Vegetationsformationen, saisonalen Wasserläufen, Kalksteinschluchten und an Wegrändern vor, außerdem aber auch in Olivenhainen, Kiefernwäldern und lichten Wäldern. Die meisten Nachweise liegen in niedrigen und mittleren Höhenlagen, insbesondere unterhalb von 500 Metern; auf Kreta wurde sie ausnahmsweise bis in etwa 1.800 Meter Höhe gefunden.
In der Türkei wurden Nester unter Steinen, im Boden am Fuß von Bäumen und sogar in Gartenmauern gefunden; außerdem wurde die Art in Olivenhainen und Wäldern der Kalabrischen Kiefer (Pinus brutia) gesammelt. Sie ist daher keine strikt an Holz gebundene Rossameise: Warmer, durch einen Stein geschützter Boden scheint zu ihren häufigsten Rückzugsorten zu gehören.
Ein besonders interessantes ökologisches Detail zeigt sich in mediterranen Dörfern und Touristengebieten. Arbeiterinnen wurden dabei beobachtet, wie sie auf Feigenbäume (Ficus carica) kletterten, um den Honigtau von Blattläusen und Schildläusen zu nutzen. Dies beschreibt ihre Ernährungsstrategie recht gut: Ein wichtiger Teil der Energie der adulten Tiere stammt aus zuckerhaltigen Flüssigkeiten von Pflanzen oder Hemipteren, während Insekten das für die Larvenentwicklung notwendige Protein liefern.
Es handelt sich um eine polymorphe Ameise mit Minoren, mittelgroßen Arbeiterinnen und Majoren. Der Übergang zwischen den Größen ist fließend und es gibt keine vollständig eigenständige Soldatenkaste. Mit zunehmender Reife der Kolonie treten Majore mit deutlich breiterem und muskulöserem Kopf auf.
Die Futtersuche ist opportunistisch. Die Arbeiterinnen durchsuchen Boden und Vegetation nach Nektar, Honigtau und kleinen Arthropoden. In der Haltung nimmt die Art Fliegen, Grillen, Schaben, Nachtfalter und andere übliche Insekten sehr gut an; entwickelte Kolonien zeigen bei ausreichender Wärme eine recht konstante Aktivität außerhalb des Nestes.
Die Sozialstruktur von C. baldaccii ist nicht ausreichend detailliert untersucht, um einige in kommerziellen Haltungsbeschreibungen kursierende Angaben als gesichert anzusehen. Für die Haltung empfehlen wir, sie als monogyn zu betrachten und Königinnen aus unterschiedlichen Gründungen nicht zusammenzusetzen.
Die Gründung wird wie bei vielen großen Camponotus klaustral gehandhabt: Die Königin kann die ersten Nanitinnen aus ihren Körperreserven aufziehen und benötigt keine kontinuierliche Fütterung, solange sie in gutem Zustand bleibt.
Schwarmflüge
Zu den Schwarmflügen liegen weniger Daten vor als bei anderen mediterranen Arten.
Eine phänologische Studie, in der Beobachtungen aus der Türkei zusammengetragen wurden, verzeichnete zwei Ereignisse von C. baldaccii mit einem Median um den 174. Tag des Jahres, also ungefähr Ende Juni.
Darüber hinaus wurden in der Türkei im August Männchen gesammelt.
Vorsichtshalber würden wir das Zeitfenster ungefähr von Ende Juni bis August ansetzen, wobei es je nach Fundort, Höhenlage und Wetterbedingungen erheblich variieren kann.
Schwarmflüge sind in der warmen Jahreszeit zu erwarten, wenn Nächte und Boden bereits dauerhaft hohe Temperaturen aufweisen.
Eine der besonderen Attraktionen von Camponotus baldaccii besteht darin, dass sich die Färbung je nach Größe der Arbeiterin deutlich verändert.
Minore sind sehr hell gefärbt. Kopf, Mesosoma, Petiolus, Antennen und Beine können gelb, bernsteingelb oder leicht rötlich-gelb erscheinen. Die Gaster ist deutlich zweifarbig: Der vordere Bereich ist gelb oder golden, während die hinteren Tergite zunehmend dunkelbraun oder schwarz werden.
Bei mittelgroßen Arbeiterinnen wird die Veränderung zunehmend deutlich. Mit steigender Größe wechselt die Kopffärbung von gelblich zu rostgelb, rötlich-braun oder braun, während das Mesosoma wärmere und dunklere Farbtöne annimmt.
Dieser Farbgradient zwischen den Kasten ist eines der nützlichsten optischen Merkmale zum Erkennen einer reifen Kolonie. Eine Gruppe mit vielen Minoren kann auf den ersten Blick fast gelb wirken, während die Anwesenheit von Majoren die Kolonie deutlich dunkler erscheinen lässt.
Der Körper besitzt die für Tanaemyrmex typische langgestreckte und elegante Gestalt. Beine und Antennenschäfte sind lang, das Mesosoma ist relativ schlank und die Gaster oval.
Die Körperoberfläche ist im Allgemeinen glatt und etwas glänzend, insbesondere im Vergleich zu stärker skulpturierten Camponotus.
Arbeiterinnen
Die Arbeiterinnen sind polymorph, mit einem fließenden Übergang von Minoren zu Majoren.
Minore sind schlank und hell gefärbt, während Majore einen deutlich breiteren Kopf und kräftigere Mandibeln entwickeln.
Die Zwischenformen machen den Übergang zwischen beiden Extremen besonders deutlich.
Königin
Die Königin ist deutlich größer als die Arbeiterinnen und besitzt ein voluminöses Mesosoma entsprechend der Flugmuskulatur sowie eine große Gaster.
Ihre Färbung entspricht dem dunkleren Ende des bei den Arbeiterinnen vorhandenen Spektrums: Kopf und große Teile des Körpers sind braun bis dunkel gefärbt, wobei hellere rötliche oder gelbliche Bereiche erhalten bleiben können.
Schwierigkeitsgrad: 2/5 – Anfänger
Camponotus baldaccii eignet sich sehr gut für Halter, die mit einer mittelgroßen bis großen mediterranen Camponotus beginnen möchten.
Die Art ist robust, nimmt übliche Futtermittel gut an und benötigt keine besonders komplexen Nestsysteme.
Entscheidend sind Wärme während der aktiven Jahreszeit, ein Feuchtigkeitsgefälle anstelle eines vollständig durchnässten Nestes und die Beachtung der saisonalen winterlichen Verlangsamung.
Temperatur
Während der aktiven Phase ist ein allgemeiner Bereich von ungefähr 24–28 °C geeignet.
Ein lokaler Wärmepunkt kann bei etwa 28–30 °C gehalten werden, insbesondere wenn die Kolonie viel Brut besitzt.
Es ist besser, nur einen Teil des Nestes zu beheizen und kühlere Bereiche verfügbar zu lassen, damit die Arbeiterinnen die Brut entsprechend ihren Bedürfnissen verlagern können.
Bei niedrigeren Raumtemperaturen verlangsamt sich die Entwicklung deutlich.
Feuchtigkeit
Für eine gründende Königin reicht ein Reagenzglas mit Wasserreservoir aus, bis die ersten Arbeiterinnen erscheinen.
Sobald die Kolonie zu wachsen beginnt, kann sie in ein kleines Nest mit mittelgroßen Kammern und Gängen umgesetzt werden.
Es ist wichtig, nicht zu früh ein übermäßig großes Nest anzubieten, da ungenutzte Kammern häufig als Abfallbereiche verwendet werden.
Auch naturnahe Anlagen mit mineralischem Substrat, Steinen und trockener mediterraner Dekoration eignen sich sehr gut für diese Art.
Der Futtersuchbereich kann relativ trocken gehalten werden und sollte genügend vertikale Strukturen bieten, damit die Arbeiterinnen klettern und erkunden können.
Fütterung
Adulte Arbeiterinnen beziehen den größten Teil ihrer Energie aus Kohlenhydraten.
Ameisennektar, Zuckerwasser, verdünnter Honig oder ausgewogene Sirupe können dauerhaft angeboten werden.
Kleine Mengen reifer Früchte werden ebenfalls angenommen, sollten jedoch eine dauerhafte flüssige Kohlenhydratquelle nicht ersetzen.
- Ameisennektar;
- Zuckerwasser;
- verdünnter Honig;
- ausgewogene Sirupe;
- kleine Mengen reifer Früchte.
Protein sollte entsprechend der vorhandenen Brutmenge angeboten werden.
Geeignete Futtertiere sind:
- Fruchtfliegen;
- Fliegen;
- Grillen;
- kleine Schaben;
- Nachtfalter;
- in Stücke geschnittene Mehlwürmer;
- andere geeignete und sichere Futterinsekten.
Frisch getötete Insekten sind hervorragend geeignet und erleichtern die Fütterung, insbesondere bei kleinen Kolonien.
Mit zunehmender Zahl der Larven steigt der Proteinverbrauch deutlich an.
Sauberes Wasser sollte unabhängig von zuckerhaltigen Flüssigkeiten jederzeit verfügbar sein.
DIAPAUSE
Camponotus baldaccii ist eine mediterrane Art und sollte eine saisonale winterliche Ruhephase erhalten.
Diese Diapause muss nicht extrem kalt sein.
Ein praktikabler Bereich für die Winterruhe liegt bei ungefähr 15–18 °C.
Bei diesen Temperaturen nimmt die Aktivität deutlich ab, die Brutentwicklung verlangsamt sich oder kommt zum Stillstand und der Futterverbrauch sinkt.
Die Kühlphase kann ungefähr 8–12 Wochen dauern.
Die Temperaturabsenkung sollte schrittweise erfolgen, ebenso wie die Rückkehr zu den Temperaturen der aktiven Jahreszeit.
Während dieser Zeit sollte Wasser verfügbar bleiben; kleine Mengen Kohlenhydrate können weiterhin angeboten werden, während Protein stark reduziert werden kann, wenn keine Larven aktiv wachsen.
Es ist nicht notwendig, die Kolonie Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt auszusetzen.
Verhalten in der Haltung
Camponotus baldaccii ist eine aktive und optisch attraktive Art, besonders sobald die Kolonie Arbeiterinnen unterschiedlicher Größe enthält.
Der Kontrast zwischen den hellen Minoren und den dunkleren Majoren wird mit zunehmendem Wachstum der Kolonie immer deutlicher.
Die Arbeiterinnen erkunden den Futtersuchbereich bereitwillig und nutzen Äste, Steine und andere Strukturen intensiv.
Mit zunehmender Koloniegröße wird der Unterschied zwischen den Arbeiterinnengrößen immer auffälliger.
Die hell gefärbten Minore sind bei der alltäglichen Erkundung sehr aktiv, während die größeren Arbeiterinnen durch ihren dunkleren Kopf und ihren kräftigeren Körperbau besonders auffallen.
Sie nutzen den vertikalen Raum im Futtersuchbereich gut aus und klettern bereitwillig auf Äste, Steine und Dekorationselemente.
Eine sichere Ausbruchssicherung ist empfehlenswert, insbesondere sobald die Kolonie viele aktive Arbeiterinnen besitzt.
Handhabung und Sicherheit
Camponotus baldaccii besitzt keinen funktionsfähigen Stachel.
Die Arbeiterinnen können sich mit ihren Mandibeln verteidigen und Ameisensäure über den Acidoporus abgeben.
Direktes Anfassen sollte daher vermieden werden. Routinemäßige Pflegearbeiten lassen sich problemlos mit einer Pinzette, sicheren Verbindungen zwischen den Modulen und einer wirksamen Ausbruchssicherung durchführen.
- Dificultad
- Anfänger
